Faust III
Szene 18

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In der Besenkammer von Pönert

Faust III
1. Akt Szene 1


1. Empörung
Rache
Sinnest du etwa auf eine goldne Schüssel
in dem dein Haupt als blutiger Schlüssel
einer neuen Welt die Pforte entriegel,
und zugleich deine arge Vergangenheit dir versiegel.
Dir willst du öffnen unter Beifallsgeprassel
die neue Erde, lässt uns über deinen irdschen Schlamassel.
Ich ahn schon wie du auf Jupiters hellglänzenden Auen
verstehst dir eine Gemeinde für dein neues Kalifornia zu bauen.
In meinen Ohren hör ich triumphierendes Bellen
deiner einstigen und künftigen verflixt lichten Gesellen.
Wir sind dann deine schuldigen Mohren
uns ist die Häme, daß wir alles auch noch dich verloren.
Mir schwant schon vor der zweifelhaften Ehre
daß wir zum Grunde werden deines Ecidämons bodenloser achten Sphäre.
 
 
Luzifer
Auf ihre alten Tage geriert sich die Maid zu meinem Entzücken,
werd sie zu neuem Tun erheblich verrücken.
Doch noch hab ich keinen angemessenen Ort
der rechtfertigt den aufwändigen Transport.

Rache
Bevor du versuchst gegen mich einen Bann
droh ich dir weit härtre Gegner an.
Deine Sünde und deinen Tod wirst du nie überwinden!
Kommt hervor! Ich aber will lieber gleich verschwinden.
  Otto Dix, Weltkrieg

Isis
Im Namen dessen, der die Stunden spendet,
sei ihr Untergang nun abgewendet.
Hat zuletzt zwar nicht erkannt,
daß der Tod nur in die Zeit gebannt.
Selber ein begrenztes da zeitliches Wesen,
wird der auch dereinst am Leben genesen,
wenn Alpha+Omega über ihn seine Herrschaft beginnt
und Liebe das alleinige Sagen übernimmt.

Faust
Sieh nur, wie schon ihr letztes Verlangen bereitet den Grund
daß bald sich schon wieder öffnet der schöne Mund,
wenn sie sich zu neuem Leben in Kürze erhebt.
Ich spür wie oben die neue Erde dann bebt.
In Zeiten der allergrößten Not
ist nur Starrheit der sichre Tod.

   
Luzifer:
Mehr Wert ist mir dein Wort
als das von meinem ersten Lord.
War mir deine Seele damals nur billiger Lohn
der Opfertat in eines anderen Fron.
Zuletzt bin ich darob längstens gelassen,
da meine Knechte konnten deine Seele nicht sicher fassen.
Mein herber Schaden
war zum Scheine nur mit Pech geladen.
Schmecke heute bei deinem Kommen so einen Fliederruch,
meine Welt ist mir nicht mehr ganz und gut genug.

Faust:
Auch mein Bezug zu dir hat sich zag verändert
der Zug meiner Gedanken ist jetzt wie blau bebändert.
Starre Logik zart mit Gold überstäubt,
Zielgerichtet Streben fühlt sich irgendwie ... betäubt
Einseitigkeit hat sich zergliedert.
Die Schwingung zwischen uns klingt purpurn aufgefiedert,
getragen von zögernd sanften Gluten
zärtlich Sehnen nach unbestimmten Fluten,
die echter Freundschaft Zugang zeigen zu den reinen Quellen.
Seit geraumer Zeit verborgne Pläne sich mir im Gegenlicht erhellen.